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Beim Studientag der Frauenseelsorge im Bistum geht es um das Verhältnis von Frau und Politik

Barbara Baumann referiert am 8. März in Aachen über „Frauen und Politik“.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 08/2016

Mit anderer Haltung Welt gestalten

Interview mit der Aachener Theologin Barbara Baumann über das Verhältnis von Frauen zur Politik

Viel Erfahrung und Nachdenken über „Frau und die Welt“ bestimmt das Leben von Barbara Baumann. Als Theologin hält sie einen Vortrag bei einem Studientag zum Thema „Frau und Politik“. Ihr Motto: Willst Du die Welt verändern, verändere zunächst Deine Position zur Welt.

 Das Interesse von Frauen an Politik ist oft ja nicht besonders groß.

Das hängt mit dem falschen Politikverständnis zusammen. Politik wird immer noch als Parteipolitik verstanden. Bei dem Studientag wird es neben Inputs zum Thema „Wie können wir Politik als Frauen anders denken?“ darum gehen, auf sich selbst zu gucken: „Wie sieht es bei mir aus und in den Gruppen, in denen ich aktiv bin? Kann man das eigentlich auch als politisches Engagement verstehen?“

 

Politik heißt für Sie mehr als Sich-Einbringen in Institutionen und Organisationen?

Es gibt eine Gruppe italienischer Philosophinnen, die nennt sich Diotima. Es ist ein feministischer Ansatz. Es geht darum, dass politisches Denken etwas mit einer bestimmten Haltung zu tun hat. Ein paar Beispiele: Viele Frauen auch im Bereich von KFD, Frauenseelsorge oder Flüchtlingshilfe engagieren sich, werden es selbst aber nicht als politische Arbeit verstehen. Aber auch die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung und die reflexive Arbeit daran, „Wie wollen wir als Gesellschaft leben?“, „Wie wollen wir Leben gestalten?“, ist ein politisches Agieren.

 

Wenn man Politik in diesem Sinne „weiter“ denkt, wäre dann nicht die Frau in der Kirche eigentliches Thema?

Das Nachdenken über die Welt und wie wir leben wollen, hat Bezüge zur Kirche. Wenn man Frau und Politik zusammen denkt, fällt einem häufig die Frauenpolitik ein, die Stellung von Frauen innerhalb der Kirche, innerhalb von Unternehmen. Politisches Denken von Frauen ist, sich die Frage zu stellen: Wie kann Kirche heute überlebensfähig sein – verbunden mit dem Nachdenken über die Welt und ihre Gestaltung. Wie wollen wir arbeiten? Nicht nur als Frauen. sondern als Gesellschaft.

 

Warum fällt es Frauen so besonders schwer, vom Selbstbewusstsein getragen zu sein?

Ich glaube, weil ihre Arbeit über viele Jahre nicht als gesellschaftsrelevant angesehen worden ist. Was Frauen im Bereich von Erziehung und Pflege geleistet haben, wurde nicht als Beitrag zum Bruttosozialprodukt gewertet. Der Bereich, in dem Frauen gesellschaftsprägend waren, war immer stärker verlinkt zum Privaten. Und darum gilt es ein Politikverständnis zu entwickeln, dass auch das, was ich im Privaten mache, eine politische Bedeutung hat.

 

Womit wieder die „Haltung“ angesprochen ist.

Diotima hat einen guten Sammelband herausgegeben. Er heißt: „Macht und Politik sind nicht dasselbe.“ Darin geht es sehr stark um die Kompetenz von Frauen und um ihre Autorität – aber gerade nicht im Unterschied zu Männern, sondern um die Differenzierung der Frauen untereinander und ihre Haltung. Ein Zitat heißt: „Frauen denken nicht für Frauen – Frauen denken für die Welt.“ Als Frau über die Welt nachzudenken, ist anders als als Mann. Natürlich geht es auch darum, wer meine Position prägt und wo ich meine Souveränität nutze, um an der Stelle auch Einfluss auf Macht zu nehmen und Macht auszuüben. Bei diesem Studientag geht es mir aber darum, den Frauen bewusst zu machen, dass es nicht immer darum geht, noch etwas anderes, Zusätzliches zu machen, sondern dasselbe zu tun – aber mit einer anderen Haltung.

 

Das Motto des Tages ist sehr provokant: „Niemand hat das Recht zu gehorchen.“

Das stammt von Hannah Arendt. Für mich bedeutet der Ausspruch: Letztendlich hat keiner das Recht, nur Gefolgschaft zu leben. Menschliche Existenz hat immer etwas mit Reflexivität zu tun, dass ich das, was ich mache, mit einem bestimmten Bewusstsein tue. Es kann sich keiner und keine entschuldigen im Sinne: „Das ist mir so gesagt worden“. Das ist natürlich etwas, das deutsche Geschichte sehr stark geprägt hat. Im kirchlichen Kontext hat es natürlich auch etwas damit zu tun. In Kirche haben wir auch viele Normen. Aber politisches Agieren heißt, sich nicht einfach nur diesen Normen zu unterwerfen.

Das Gespräch führte Dorothée Schenk.

 

Zur Person 

Barbara Baumann war 16 Jahre hauptberuflich für das Bistum Aachen tätig, ehe sie sich als Supervisorin und Coach selbstständig machte. In der Hochschulseelsorge war sie tätig, hier auch neun Jahre in der Frauenarbeit, sowie im Generalvikariat, wo Kirche und Gesellschaft ihr Schwerpunktthema war. Außerdem lehrte die 53-Jährige feministische Theologie an der Katholischen Hochschule in Aachen.

 

Termin

„Niemand hat das Recht zu gehorchen“: Mit diesem Zitat von Hannah Arendt sind Frauen, die sich in der Frauenarbeit engagieren oder sich für sie interessieren, zum Studientag am 8. März im August-Pieper-Haus in Aachen eingeladen. Beginn: 9.30 Uhr, Ende 17 Uhr. Informationen und Anmeldung: Tel. 0241/452258.

 

 


Von Kathrin Albrecht

Veröffentlicht am 17.02.2016

 
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